Pflegeversicherung wird schon bald teurer

Datum: 01.07.2010

Pflegeversicherung wird schon bald teurer


Zusätzliche Leistungen kommen auf die Pflegekassen zu

Die gesetzliche Pflegeversicherung droht schneller als geplant in die roten Zahlen zu rutschen. Schon 2012 könnte der Überschuss aufgebraucht sein, sagte der für die Pflege zuständige Vorstand der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Gernot Kiefer, in Motzen bei Berlin. Zwischen Beitragseinnahmen und Ausgaben klaffe eine Lücke von 200 bis 300 Mio. Euro. Zudem seien die Leistungen 2010 um 500 Mio. Euro ausgeweitet worden. Während die Zahl der Fälle in der Versicherung jedes Jahr um zwei Prozent stiege, erhöhten sich die Einnahmen nur um 0,8 Prozent. Die schwarz-rote Koalition hatte den Beitragssatz in der Pflegeversicherung am 1. Juli 2008 auf 1,95 erhöht (Kinderlose zahlen 2,2 Prozent). Sie beschloss aber gleichzeitig auch höhere Leistungen. Im vergangenen Jahr wurden knapp 20 Mrd. Euro für die Pflege von mehr als 2,1 Millionen Menschen ausgegeben. Ende 2009 verzeichneten die Pflegekassen noch einen Überschuss von einer Mrd. Euro. Ursprünglich sollte die Reform die Finanzierung bis 2014 garantieren.

Zusätzliche Leistungen

Zudem könnten auf die Pflegekassen in den kommenden Jahren noch höhere Ausgaben durch zusätzliche Leistungen zukommen. So soll die Pflegebedürftigkeit neu definiert werden. Dann könnten auch Demenzkranke leichter Leistungen der Pflegeversicherung erhalten. Bisher gibt es drei Pflegestufen, die sich primär an körperlichen Gebrechen orientieren. Künftig soll es fünf Pflegestufen geben, die auch Gedächtnisleistungen und psychische Probleme der alten Leute mit einbeziehen. Konkrete Vorschläge für ein neues System hatte ein Beirat des Gesundheitsministeriums im vergangenen Jahr vorgelegt. Bei einer neuen Definition könnten auf die Pflegeversicherung - je nach Berücksichtigung von Pflegebedarf - Kosten von bis zu fünf Mrd. Euro zukommen. GKV-Vorstand Kiefer begrüßte die Abkehr vom alten, "technischen" Pflegebedürftigkeitsbegriff. "Den Begriff neu zu fassen, ist richtig, weil damit den sich ändernden gesellschaftlichen und medizinischen Rahmenbedingungen Rechnung getragen wird, zum Beispiel der Zunahme von Demenz", sagte Kiefer.

Autor: Cornelia Schulze

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