Pflege als Thema beim Martinsabend

Datum: 22.11.2010

Pflege als Thema beim Martinsabend


Die längeren Abende und unterschiedlichen Feiern in der Vorweihnachtszeit kann man auch zu nachdenklichen Gesprächen nutzen. Im Rhein-Erft-Kreis lud Landrat Werner Stump, zugleich Vorsitzender der Stiftung St. Martin, ein.
Die Pflege von Demenzkranken stand im Mittelpunkt des Abends und das spiegelte sich auch bei der Verleihung des mit 1000 Euro dotierten Martinspreises wieder. Der Preis ging in diesem Jahr an den Verein "pflegeBegleiter im Rhein-Erft-Kreis".
Ehrenamtlich
2004 hatte Elisabeth Garz gemeinsam mit Andrea Schiffer die Idee, als das aus Bundesgeldern finanzierte Modellprojekt gestartet wurde. Nach Ablauf der Förderung war 2009 der Verein gegründet worden. Das Projekt und anschließend der Verein kümmern sich um Menschen, die ihre demenzkranken Angehörigen pflegen. Die Ehrenamtler wollen die pflegenden Verwandten nicht nur bei der anstrengenden Arbeit entlasten, sondern auch Ansprechpartner sein für die Sorgen, die die Angehörigen selbst haben.
[b"therapie kreativ"[/b]
Über den Preis hinaus rang Elisabeth Garz dem Landrat auch das Versprechen ab, die Schirmherrschaft für den Verein zu übernehmen. „Da kann ich ja gar nicht mehr Nein sagen", meinte Stump schmunzelnd. Eindruck bei Stumps Gästen hinterließ vor allem der Vortrag des Diplom-Pädagogen Dr. Udo Baer, Leiter der Zukunftswerkstatt „therapie kreativ", die seit 1987 bundesweit Tanz-, Musik- und Kunsttherapeuten ausbildet.
Der schönste Tango meines Lebens
Baer erzählte aus seiner jahrzehntelangen Arbeit mit Demenzkranken - und vor allem von den erstaunlichen Erfahrungen: von der Frau, die nicht mehr ihren Namen sagen kann, von allen aufgegeben in der Ecke kauert - und plötzlich bei einem Tango aus den 20er Jahren den Therapeuten im Wiegeschritt führt. „Der schönste Tango meines Lebens", erinnert sich Baer. Oder von dem Mann, der mit einer jungen Kollegin von Baer tanzt, mit ihr zum Tisch zurückkehrt und ihr seine Frau vorstellt - nachdem er die vorher ein dreiviertel Jahr lang nicht mehr erkannt hatte.

Landrat Werner Stump nutzt den Anlass, um seine Idee für ein „Netzwerk der Hilfestellungen" für Demenzkranke und ihre Angehörigen im Rhein-Erft-Kreis vorzustellen. „Unser Ziel ist es, ein Demenzzentrum als Regiestelle zu schaffen", erklärt Stump. Dabei gehe es vor allem darum, die Strukturen der Selbsthilfe besser miteinander zu vernetzen. Außerdem verkündete der Landrat, Demenz zum Thema eines internationalen Projektes gemeinsam mit dem polnischen Partnerkreis Bielsko-Biala machen zu wollen.

Autor: Cornelia Schulze

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