Pflege-Gipfel dringend gefordert!
Datum: 17.08.2010
Pflege-Gipfel dringend gefordert!
Pflegekräfte aller Welt erinnern in diesen Tagen an den 100. Todestag von
Florence Nightingale. Die als "Lady with the lamp" berühmt gewordene
Krankenschwester ist so etwas wie die gute alte Dame der Pflege. Im
Krimkrieg (1854 bis 1856) organisierte sie die medizinische Versorgung
verwundeter Soldaten. Später baute sie das erste Ausbildungssystem für
die Krankenpflege auf, das sich rasch über die ganze Welt ausbreiten
sollte.
Heute plagen den Berufsstand Pflege ganz andere Sorgen. Vor allem in
der Altenpflege herrscht akuter Fachkräftemangel, gegen den sich der
Ärztemangel wie ein Sturm im Wasserglas ausnimmt. "Allein in den
nächsten zehn Jahren benötigen wir 300 000 zusätzliche Pflegekräfte.
Aber der Markt an Fachkräften ist praktisch leer gefegt", sagt Bernd
Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste
(bpa). Der Verband vertritt etwa 6500 Heime und Pflegedienste mit rund
200 000 Beschäftigten.
Das Problem des Personalmangels sei flächendeckend, berichtet Meurer.
"Auch in den Ballungszentren finden Pflegeeinrichtungen nicht das
Personal, das sie brauchen. Wir könnten sofort bis zu 10 000 Pflegekräfte
einstellen. Sie sind aber nicht da."
Dass sie nicht da sind, hängt nach Einschätzung von Rolf Höfert, Chef des
Deutschen Pflegeverbandes, vor allem mit dem massiven Abbau von
Ausbildungsplätzen zusammen. Allein in den vergangenen zehn Jahren
seien rund 200 000 Ausbildungsplätze in der Pflege abgebaut worden.
"Die Folgen dieser sozialwirtschaftlichen Panne bekommen wir nun zu
spüren", so Höfert.
Thomas Meißner vom Vorstand des Berliner Anbieter-Verbands AVG hat
noch einen anderen Grund ausgemacht, warum Heimen und
Pflegediensten zunehmend Pflegefachkräfte fehlen oder abhanden
kommen. "Seit Inkrafttreten der Pflegereform ist der Fachkräftebedarf
rings herum um den Arbeitsplatz Pflege gewachsen." MDK, Kranken- und
Pflegekassen sowie Pflegestützpunkte suchten ebenfalls Pflegefachkräfte
"und finden sie, weil sie attraktivere Arbeitsplatzbedingungen bieten: ein
besseres Gehalt, kein Schichtsystem, keine Dienste an Wochenenden und
keine Negativschlagzeilen".
Für Meißner steht denn auch fest: "Solange Kontrolle von Pflege besser
bezahlt wird als fachpflegerische Leistungen, werden sich Menschen nur
für Kontrolle, nicht aber für die Versorgung kranker Menschen
entscheiden."
"Wir müssen bei den Schulabgängern stärker für den Pflegeberuf werben",
fordert bpa-Chef Meurer. Das allein reiche aber nicht aus, um den
Fachkräftemangel in den Griff zu kriegen. Denn realistisch betrachtet
müsste sich spontan etwa jeder dritte Schulabgänger für die
Pflegeausbildung entscheiden. "Das ist illusorisch." Deshalb müssten über
den Weg der Umschulung und über eine Greencard für ausländische
Pflegekräfte "mehr Menschen in die Pflege geholt werden".
Voraussetzungen für eine Arbeitserlaubnis als Pflegekraft seien fachliche
Qualifikation und gute Deutschkenntnisse. "Wir wollen hoch qualifizierte
Fachkräfte für die Pflege gewinnen. Alles andere nützt uns nichts", betont
Meurer. Darüber hinaus sieht der bpa-Chef die Politik am Zug.
Bundeskanzlerin Angela Merkel müsse das Thema Pflege schnellstens zur
Chefsache erklären und alle beteiligten Akteure an einen Tisch holen. "Wir
brauchen einen Pflege-Gipfel, der Lösungskonzepte erarbeitet", fordert
Meurer.
Quelle: Ärztezeitung online 17. August 2010
Autor: Cornelia Schulze
